Hey Trump, was geht mein Lieber? Empathie für Trump und mich Teil I

Hey Trump, was geht mein Lieber? Empathie für Trump und mich Teil I

Heute Morgen im Bad hab ich ein Video von Trump gesehen, in dem er erklärt, dass sein KI-generiertes Bild gar nicht ihn als Jesus zeigen soll, sondern als Doktor, und dass nur Fake News auf die Idee kommen könnten, das solle er als Jesus sein.

Was auf dem Bild abgelichtet ist: Trump hat dabei ein weißes langes Gewand an, ein rotes Tuch hängt über seine Schultern und er legt einem Mann eine seiner grell leuchtenden Hände auf. Licht scheint aus dem Himmel im Hintergrund und umhüllt ihn.

Und was soll ich sagen… ich hab wirklich, richtig, ordentlich Hass gefühlt. Hass auf Trump. Darunter haben sich auch noch gemischt:

eine große Portion Fassungslosigkeit und Entsetzen und Ekel.

Jetzt kann ich mir natürlich überlegen: Hm, ist das eine kluge Idee, mir jeden Tag Videos von Trump anzuschauen, wenn ich schon weiß, wie sehr es mich ärgert? Genauso, wie ich mir vielleicht eine andere Tageszeit für meinen Video-Konsum aussuchen kann, als morgens, wenn ich noch nicht richtig aufnahmefähig im Bad stehe.

Andererseits: Vielleicht ist dieser Moment genau der richtige Moment, um mich meinen Gefühlen und Gedanken zu stellen. Noch halb schlaftrunken hab ich keine Barrieren aufgebaut und es erwischt mich volle Breitseite. Juhu….. Wie praktisch für eine Übungseinheit Gewaltfreie Kommunikation… 😉

Okay, los geht’s.

Schritt 1) Was sind meine Gefühle?

Okay, Gefühle hab ich ein paar bemerkt, wie oben schon geschrieben. Hass, Fassungslosigkeit und Entsetzen, Ekel.

Schritt 2) Was denke ich, was sind meine Urteile über ihn?

Eine Liste mit meinen Urteilen über Trump erstellen? Kein Problem, da hab ich so einige. Dieses Arschloch. So selbstgefällig. Er lügt, dass sich die Balken biegen und keiner kann‘s verhindern. Narzisstisches Arschloch. Er manipuliert. Das ist gaslighting par excellence. Der hat noch nie was von Verantwortung gehört und schert sich ein Scheiß um Menschen und wie es ihnen geht! Er macht alles kaputt. Verfolgt stur seine Meinung und weil er die Position hat, die er hat, kann er sein Scheiß weitertreiben. Dass immer die Arschlöcher hohe Tiere werden und Macht bekommen. Kann der mal verschwinden, bitte. Der checkt nicht, was er da anrichtet. Ist wie ein kleines Kind mit zu viel Macht und ohne Eltern. Ein Opfer. Ein Täter.    Nicht erwachsen. Ich könnte weitermachen…

Und damit sind wir mitten in eigentlicher Gewaltfreier Kommunikation.

Gewaltfreiheit, was heißt das wirklich, praktisch? Nicht, dass ich versuche nett zu sein. Nicht, dass ich versuche Problemen aus dem Weg zu gehen, über den Dingen zu stehen oder so zu tun, als wäre alles Friede Freude Eierkuchen. Gewaltfreie Kommunikation beginnt da, wo ich mich wirklich kennenlerne. Mit all dem, was in mir liegt. Mit all meinen Urteilen und all dem, was ich hässlich finde. Mir wirklich zu begegnen. Und wenn ich dann meinem Feind im Außen begegne, verstehe ich langsam, dass ich eigentlich meinem Feindbild im Inneren begegne.  

Gewaltfreie Kommunikation verlangt nicht, dass ich keine Urteile habe. Davon abgesehen, dass das gar nicht klappen würde – warum sollte ich sie loswerden wollen? Urteile zeigen mir, dass etwas in mir berührt wurde – ein Wert, eine Grenze, eine Angst, ein Schmerz. Und das ist in Ordnung und wichtig, mir meiner Werte und Grenzen bewusst zu sein.

Gewaltfreie Kommunikation heißt nämlich auch nicht, mit allem einverstanden zu sein,

das Leute machen. Ihre Handlungen in Ordnung zu finden. Ich habe meine Bedürfnisse und Werte und zu denen stehe ich.

Wenn ich mich also dabei ertappe, jemanden wie Trump innerlich zum Feindbild zu machen, ist die spannendere Frage nicht: Wie werde ich dieses Urteil los? Sondern: Worauf weisen mich diese Urteile hin?

Schritt 3) Auf welche Bedürfnisse und Werte weisen mich diese Urteile hin?

Vielleicht auf mein Bedürfnis nach Wahrhaftigkeit. Auf Verlässlichkeit und dass ich meinen Mitmenschen vertrauen möchte.
Vielleicht meinen Wunsch nach Verantwortung – erst recht in der Öffentlichkeit. Und erst wenn jemand eine Machtposition innehat.
Vielleicht meine Sehnsucht nach einer Welt, in der Macht nicht durch Größenfantasien abgesichert wird. Eine Welt, in der Macht so genutzt wird, dass alle Menschen und ihre Bedürfnisse wirklich gesehen und ernst genommen werden. Eine Welt, die sicher ist und menschlich.

Meine Urteile sind wertvoll.

Die Frage ist: Wie gehe ich mit ihnen um? Lass ich mich von ihnen leiten und versuche meine Wut auszuagieren? Damit bin ich Opfer meiner Urteile und lasse mich von Trigger von außen lenken. Wenn ich blind auf mein Feindbild reagiere und zurückschlage, werde ich von meinem Feindbild gelenkt. Ich verliere meine Macht und Menschlichkeit.

Oder finde ich heraus, auf was meine Urteile mich hinweisen – und mache mich zum Mittelpunkt und meine Werte zur Basis meines Handelns. Das gibt mir Kraft! Wenn ich weiß, wofür ich einstehe, kann ich mich ganz anders frei und kraftvoll einsetzen.

Ein Freund von mir nannte diesen Prozess und diese Umwandlung mal:

“Urteile als Tor zum Glück”

Ich finde, das trifft es sehr gut.

Insofern: Trump, ich bin mit vielem nicht einverstanden – und trotzdem, danke Buddy, jetzt weiß ich wieder klar, wofür ich stehe:

Vertrauen und Menschlichkeit.  

Jetzt weiss ich wieder, warum ich Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation geworden bin. Volle Kraft voraus.

PS: Du kannst den Prozess mit den Schritten 1-3 (kursiv geschrieben im Text) wiederholen und für dich zu Hause ausprobieren. Such dir dazu einfach ein eigenes Feindbild und vielleicht auch noch eine Situation, in der du von deinem Feindbild getriggert wurdest. Nimm dir etwas Zeit reinzuspüren und aufzuschreiben, was du bemerkst – und viel Spaß beim Erforschen deines Feindbilds!

PS2: Und wenn du dich wirklich dir und deinen Urteilen zuwenden willst, meld dich bei einem meiner Kurse an, zum Beispiel einer Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation und einer Vertiefung zum Thema Feindbilder. Ich freu mich auf dich – und darauf gemeinsam unsere Kraft und Menschlichkeit zu finden!

Hey Trump, was geht mein Lieber? Empathie für Trump und mich Teil I
Hier nochmal Trump, wie er seiner wichtigen medizinischen Tätigkeit nachgeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

[instagram-feed]